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Samstag, 24. Februar 2007
Duty-Free-Konfekt
Weil's der Nachbar auch grad hat. "Monocle" ist bei einem Preis von rund 15 Euro eine Art In-Flight-Magazin für am Boden gebliebene Abgehobene. Brûlé betrachtet den Globus mit den Augen eines Kaufmanns. Es gibt überall eine Geschäftsidee, einen Trend oder ein Produkt zu entdecken, die Welt ist angerichtet zum Konsum. Die Titelgeschichte über die japanische Marine ist geschrieben wie ein leicht gelangweilter Reisebericht und will wirklich niemandem weh tun. Kreuzer und Zerstörer werden aufgelistet wie Fastfood-Filialen und Flagship-Stores, weitere Produkte unter vielen, das Unternehmen hat nur ein PR-Desaster hinter sich (2. Weltkrieg) und muss nun an der Corporate Identity arbeiten.

Besser dagegen schon die Reportage über chinesische Aktivitäten in Afrika. Dafür, dass Brûlé sich den "Stern" als Vorbild genommen haben will, sind Druckqualität und Bildlayout viel zu schlecht, allzuviel Kleinkram drängelt sich da auf diesen Seiten. Die Typographie ist aber gut, soweit ich sehe. Aus Deutschland bringt das Blatt eine Geschichte von Joachim Bessing über einen Wein, der in katzenförmige Flaschen abgefüllt wird und in Skandinavien ein Hit sein muss, da kommt einem das eigene Land gleich vor wie ein Duty-Free-Shop - und das ist ja auch irgendwie das Ziel der Non-Politik, deren unmittelbarer Ausfluss "Monocle" ist: Duty Free zu sein, also nichts mehr zu müssen, frei reisen, einkaufen und konsumieren zu können. "Monocle" hasst die Festung Amerika, schlägt allen Ernstes vor, die von den Amerikanern aufgegebene Luftwaffenbasis von Keflavik auf Island zu einem internationalen Business-Center für Manager zu machen, die keine Lust mehr haben, sich in den USA zum Vergnügen fetter Grenzwächter ausziehen zu müssen. Man spürt sofort, es könnte funktionieren. Das Blatt kann aber eins recht gut: Man fühlt sich nach dem Kauf sofort wie ein Mitglied der verantwortungsfreien Führungsklasse, man bloggt auch gerne darüber, weil die anderen alle nur über "Vanity Fair" schreiben, was ein Kunststück ist, weil das Ding nur ein Fünfzehntel von Monocle kostet und viel einfacher zu vernichten ist, weil es eben kein Sign'o'the Times ist, weil es gar nichts ist. Brûlé bleibt jedenfalls voll auf der Höhe einer Zeit, die mir nicht gefällt.

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Mich hat das Ding so schlapp hinterlassen, dass ich schon gar nichts mehr Vernünftiges dazu sagen konnte. Deshalb stimme ich mit Freuden zusätzlich auch noch hier zu.

Ich bin mir ja hierbei wie auch bei wallp*pr** nicht sicher, ob a) die glauben, dass es solche Leute gibt, die dringend sowohl über Retail-Möglichkeiten in Dubai, Architektur-Firmen in Shanghai und Dosenöffner aus Rumänien informiert sein müssen, es b) solche Leute tatsächlich gibt, oder c) das alles nur ein Spass ist. Wobei bei dem neueren Kind ja interessant ist, dass diese Beliebigkeit auf politische Berichte übertragen wird. Potentiell unsympathischer wird es dadurch, dass der Comic / P*rn*-Faktor c) runtergefahren ist bei Monocle, und es damit mehr zu a) tendiert.

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Oder die Geschichte über den Fernsehjournalisten, der für Al Jazeera produziert. Obwohl er von den härtesten Hotspots berichtet, weiss man am Ende eigentlich nur ein wenig mehr über den Markt für unabhängige TV-Produktionsfirmen in Dubai. Ich weiß jetzt auch, dass der Chef von Lego gerne Lufthansa fliegt und in Norwegen Urlaub macht, aber eigentlich nichts darüber, wie man eine Analog-Spielzeugfirma im Digitalzeitalter an die Spitze bringt. Also versagt das Ding sogar als Wirtschaftsmagazin. Eigentlich stimmt mein Vergleich mit dem Kaufmann nicht. Es ist ein Magazin von Konsumenten für Konsumenten.

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Jetzt hab ich's: ich glaube, die Artikel sind eigentlich überflüssig, um die geht es gar nicht. Hm, nein, das trifft es auch nicht. Es geht nicht um das, wovon die Artikel zu handeln scheinen. Es soll einfach nur Stil und Zugehörigkeit und Wichtigkeit ("ich bin da kürzlich über Entwicklungen gebrieft worden") transportiert werden.

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Da ist was dran. Wenn man es im Jetlag-Zustand liest, wird man es für interessant halten.

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ah, wollt grad fragen, obs schon wer in der hand hatte, weil die website ist mir zu schnorchig. 15 euro gespart, danke.

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Formfaktor ist OK, aber als Fotograf wird man mit dem Ding nicht glücklich sein, weil die Bilder nicht gut kommen. Obwohl: Bei dem Preis dürften sie wenigstens die Beiträge gut zahlen.

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überleg doch mal, habe ich ihr gesagt, mit jeder vanity fair die ich für einen euro kaufe schade ich denen mehr als ihnen zu nützen

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Auch wieder wahr. Gleich abonnieren, den Scheiss.

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noch 12mal vanity dings kaufen, dann ist das geld fuer monokel raus.
spar dich reich, heisst es.

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In der Energiekrise sicher ein guter Deal.

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Mononcle.

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Wenn ich an die Energie und das Kapital denke, das dafür draufgeht, solchen Unsinn zu produzieren, wird mir übel.

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Last update: 2009.01.08, 23:46
 
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